Verkehrswertgutachten vs. steuerliche Bewertung: Der entscheidende Unterschied bei Schenkung und Erbschaft
- Martin Reiss

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Die Übertragung von Vermögen – insbesondere von Immobilien – ist ein sensibler Prozess mit erheblichen steuerlichen Auswirkungen. Ob im Rahmen einer Schenkung oder einer Erbschaft: Eine der wichtigsten Fragen lautet:
👉 Welcher Wert wird für die Steuer tatsächlich angesetzt?
Viele Eigentümer gehen davon aus, dass ein Verkehrswertgutachten maßgeblich ist. Doch in der Praxis entscheidet ausschließlich die steuerliche Bewertung nach dem Bewertungsgesetz (BewG) über die Höhe der Steuerlast.
Diese steuerliche Bemessungsgrundlage wird fachlich als Bedarfswert bezeichnet.
Dieser Beitrag erläutert die Unterschiede im Detail und zeigt, warum die steuerliche Bewertung unverzichtbar ist – und welche Vorteile sie bietet.
Verkehrswertgutachten: Der Marktwert im Fokus
Ein Verkehrswertgutachten ermittelt den sogenannten Verkehrswert (Marktwert) einer Immobilie. Dieser entspricht dem Preis, der unter normalen Marktbedingungen bei einem Verkauf erzielt werden könnte.
Charakteristika eines Verkehrswertgutachtens
Erstellung durch zertifizierte Sachverständige 🏡
Individuelle Bewertung der Immobilie
Berücksichtigung von:
Lage (Mikro- und Makrolage)
Zustand und Baujahr
Ausstattung und Modernisierungen
Aktuelle Marktentwicklung
👉 Ergebnis: Ein möglichst realistischer Marktpreis.
Typische Einsatzbereiche
Immobilienverkauf
Vermögensaufstellung
Finanzierungsgespräche mit Banken
Scheidungen oder Erbauseinandersetzungen
Steuerliche Bewertung: Der gesetzlich definierte Wert
Im Gegensatz dazu steht die steuerliche Bewertung. Diese erfolgt strikt nach den Vorgaben des Bewertungsgesetzes (BewG) und dient ausschließlich der Ermittlung der Erbschaft- und Schenkungsteuer.
Wesentliche Merkmale
Bewertung auf Basis gesetzlicher Vorgaben und Überprüfung durch das Finanzamt
Standardisierte Bewertungsverfahren
Pauschalisierte Annahmen und typisierte Werte
regelmäßige Abweichung vom tatsächlichen Marktwert
👉 Ergebnis: Ein steuerlicher Wert, der für die Besteuerung verbindlich ist.
Warum Verkehrswert und steuerlicher Wert oft auseinanderliegen
Ein häufiger Irrtum: Beide Werte seien identisch. Das ist in der Praxis selten der Fall.
Gründe für Abweichungen:
Gesetzlich vorgegebene Bewertungsparameter
Pauschalierungen (z. B. bei Mieten oder Liegenschaftszinsen)
Zeitliche Verzögerungen in der Bewertung
Vereinfachungsregeln zur Verwaltungsökonomie
👉 Das kann dazu führen, dass der steuerliche Wert:
über dem Marktwert liegt (steuerlich nachteilig) 📈
oder unter dem Marktwert liegt (steuerlich vorteilhaft) 📉
Der zentrale Punkt: Was zählt bei Schenkung und Erbschaft?
Bei der Übertragung von Immobilien gilt eindeutig:
👉 Ausschlaggebend für die Steuer ist ausschließlich die steuerliche Bewertung.
Das bedeutet konkret:
Die Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer basieren auf dem durch das Bewertungsgesetz ermittelten Wert und wird vom Finanzamt detailliert geprüft
Ein Verkehrswertgutachten hat keine automatische Bindungswirkung
Ohne steuerliche Bewertung ist keine korrekte Steuerfestsetzung möglich
💡 Selbst wenn ein Gutachten einen niedrigeren Marktwert ausweist, wird dieser nur unter bestimmten Voraussetzungen berücksichtigt.
Vorteile der steuerlichen Bewertung im Detail
Die steuerliche Bewertung wird häufig als rein formaler Prozess wahrgenommen. Tatsächlich bietet sie jedoch erhebliche Vorteile – insbesondere bei strategischer Planung.
1. Rechtssicherheit und Verbindlichkeit
Die Bewertung basiert auf klar definierten gesetzlichen Regelungen.
👉 Vorteil:
Hohe Rechtssicherheit
Nachvollziehbarkeit gegenüber dem Finanzamt
Minimierung von Unsicherheiten
2. Einheitliche Bewertungsmaßstäbe
Alle Steuerpflichtigen werden nach denselben Kriterien bewertet.
👉 Vorteil:
Gleichbehandlung
Vermeidung subjektiver Einschätzungen
Transparenz im Verfahren
3. Gestaltungsmöglichkeiten zur Steueroptimierung 💡
Ein oft unterschätzter Punkt:Die steuerliche Bewertung ist nicht nur ein Ergebnis – sie ist gestaltbar.
Beispiele:
Vorbehaltsnießbrauch
Wohnrechte
Aufteilung von Vermögen
Nutzung von Freibeträgen
Zeitliche Streckung von Übertragungen
👉 Ergebnis:
Reduzierung der steuerlichen Bemessungsgrundlage
Optimale Nutzung gesetzlicher Spielräume
4. Unverzichtbare Grundlage für jede Übertragung
Ohne steuerliche Bewertung kann keine korrekte steuerliche Behandlung erfolgen.
👉 Das bedeutet:
Pflichtbestandteil bei jeder Schenkung oder Erbschaft
Grundlage für Steuerbescheide
Maßgeblich für Finanzplanung
5. Möglichkeit zur Korrektur durch Gutachten
Auch wenn die steuerliche Bewertung maßgeblich ist, gilt:
👉 Ist der angesetzte Wert zu hoch, kann ein Verkehrswertgutachten als Nachweis dienen.
Dies eröffnet:
Einspruchsmöglichkeiten gegen Steuerbescheide
Potenzielle Steuerersparnisse
Praxisbeispiel zur Verdeutlichung
Ein Einfamilienhaus wird übertragen.
Marktwert laut Gutachten: 600.000 €
Steuerlicher Wert laut Finanzamt: 700.000 €
👉 Folge:
Die Steuer wird auf Basis von 700.000 € berechnet
Nur wenn der niedrigere Verkehrswert nachgewiesen und anerkannt wird, kann dieser berücksichtigt werden.
Wichtig hierbei sind die Voraussetzungen an die hohen inhaltlichen und methodischen Standards des Gutachtens um überhaupt vom Finanzamt anerkannt zu werden.
Wann ein Verkehrswertgutachten sinnvoll ist
Trotz der Dominanz der steuerlichen Bewertung gibt es klare Einsatzbereiche:
Bei überhöhten steuerlichen Bewertungen
Zur Vorbereitung von Einsprüchen
Für interne Vermögensentscheidungen
Bei komplexen Immobilienstrukturen
👉 Wichtig: Das Gutachten ist ein Instrument – kein Ersatz.
Fazit: Steuerliche Bewertung ist der Maßstab 🔑
Bei Schenkung und Erbschaft gilt eindeutig:
Der Verkehrswert zeigt den Markt
Die steuerliche Bewertung bestimmt die Steuer
👉 Wer die Unterschiede versteht und frühzeitig plant, kann:
Steuerlasten gezielt steuern
Risiken vermeiden
Vermögen effizient übertragen
Geld sparen





