Nebenverdienst und Online-Einnahmen: Was steuerlich gilt – und wo viele in die Falle tappen
- Martin Reiss

- vor 5 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
1. Ein Thema, das immer mehr Menschen betrifft
Nebenverdienste sind längst kein Randthema mehr. Steigende Lebenshaltungskosten, flexible Arbeitsmodelle und digitale Plattformen führen dazu, dass immer mehr Menschen zusätzliches Einkommen erzielen – oft neben dem Hauptjob, der Rente oder dem Studium.
Typische Beispiele:
Verkauf über eBay, Kleinanzeigen oder Etsy
Einnahmen über PayPal
Social Media (Instagram, TikTok, YouTube)
Online-Dienstleistungen, Coaching, Texte, Designs
gelegentliche Aufträge oder Provisionen
Viele Betroffene gehen dabei von einer gefährlichen Annahme aus:
„Das sind doch nur ein paar Euro – das muss ich nicht versteuern.“
Genau hier beginnen die Probleme.
2. Die zentrale Frage: Muss ich meinen Nebenverdienst versteuern?
Die kurze Antwort lautet: In den meisten Fällen: ja.
Steuerlich gilt:
Jede Einnahme ist grundsätzlich steuerpflichtig, sofern sie nicht ausdrücklich steuerfrei ist.
Es gibt keine pauschale „Bagatellgrenze“, ab der Einnahmen automatisch steuerfrei wären. Entscheidend ist nicht, wie klein der Betrag erscheint, sondern:
Art der Einnahmen
Regelmäßigkeit
Gewinnerzielungsabsicht
Gesamteinkommen
3. Nebenverdienst ist nicht gleich Nebenverdienst
Ein häufiger Fehler ist, alle Zusatzeinnahmen über einen Kamm zu scheren. Steuerlich wird unterschieden zwischen:
🔹 gelegentlichen Einnahmen
z. B. einmaliger Verkauf privater Gegenstände
🔹 wiederkehrenden Einnahmen
z. B. regelmäßige Verkäufe, Provisionen, Honorare
🔹 selbstständiger Tätigkeit
z. B. Online-Dienstleistungen, Content-Erstellung, Coaching
Je regelmäßiger und nachhaltiger Einnahmen erzielt werden, desto eher liegt eine steuerlich relevante Tätigkeit vor.
4. Online-Plattformen & Finanzamt – ein unterschätztes Risiko
Viele glauben, das Finanzamt wisse nichts von ihren Online-Einnahmen. Das ist zunehmend falsch.
4.1 Meldungen durch Plattformen
Plattformen und Zahlungsdienstleister sind verpflichtet, bestimmte Umsätze zu melden, z. B.:
PayPal
eBay
Etsy
Plattformen für digitale Dienstleistungen
Das Finanzamt muss also nicht „raten“, sondern erhält zunehmend strukturierte Daten.
4.2 Konto- und Zahlungsströme
Regelmäßige Zahlungseingänge – auch bei kleineren Beträgen – können auffallen, insbesondere:
bei Betriebsprüfungen
bei Steuererklärungen mit auffälligen Abweichungen
bei späteren Nachfragen oder Prüfungen
Unwissenheit schützt hier nicht vor Konsequenzen.
5. Häufige Denkfehler in der Praxis
In der Beratung hören wir regelmäßig Aussagen wie:
„Das läuft über mein Privatkonto“
„Ich habe kein Gewerbe angemeldet“
„Das war nur ein Hobby“
„Ich habe keinen Gewinn gemacht“
Diese Argumente sind steuerlich oft irrelevant. Entscheidend ist, ob:
Einnahmen erzielt wurden
eine Gewinnerzielungsabsicht bestand
die Tätigkeit nachhaltig ausgeübt wurde
6. Gewinn oder Umsatz – ein wichtiger Unterschied
Ein weiterer häufiger Irrtum:
„Ich muss nur Steuern zahlen, wenn ich Gewinn mache.“
Richtig ist:
Einnahmen müssen erklärt werden
Steuern fallen auf den Gewinn an, nicht auf den Umsatz
Aber: Auch bei geringen oder schwankenden Gewinnen besteht eine Erklärungspflicht.
Wer Einnahmen verschweigt, riskiert:
Steuernachzahlungen
Zinsen
ggf. steuerstrafrechtliche Konsequenzen
7. Gewerbe, selbstständig oder privat?
7.1 Wann liegt ein Gewerbe vor?
Ein Gewerbe liegt regelmäßig vor, wenn:
eine Tätigkeit selbstständig
nachhaltig
mit Gewinnerzielungsabsicht
und nicht rein privat ausgeübt wird
Das betrifft viele Online-Tätigkeiten schneller als gedacht.
7.2 Hobby oder Liebhaberei?
Nicht jede Tätigkeit ist automatisch steuerlich relevant. Aber:
„Hobby“ ist kein Freifahrtschein
Verluste über Jahre hinweg werden kritisch geprüft
Einnahmen müssen trotzdem angegeben werden
Die Abgrenzung ist oft komplex und sollte sauber dokumentiert werden.
8. Nebenverdienst neben dem Hauptjob – was zusätzlich zu beachten ist
Wer einen Nebenverdienst neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausübt, sollte zusätzlich beachten:
Auswirkungen auf Steuerklasse und Vorauszahlungen
mögliche Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung
ggf. Sozialversicherungspflichten
arbeitsvertragliche Nebenbeschäftigungsklauseln
Auch der Arbeitgeber kann unter Umständen informiert werden müssen.
9. Typische Folgen bei falscher Einschätzung
Wer Nebenverdienste falsch einordnet oder gar nicht erklärt, riskiert:
Nachzahlung mehrerer Jahre auf einmal
Säumniszuschläge und Zinsen
Verlust von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten
unnötigen Stress bei Rückfragen des Finanzamts
Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn frühzeitig Klarheit geschaffen wird.
10. Was Betroffene jetzt konkret tun sollten
Unsere Empfehlungen aus der Praxis:
✔ Einnahmen vollständig erfassen
✔ Regelmäßigkeit und Art der Tätigkeit prüfen
✔ Privat und geschäftlich sauber trennen
✔ Steuerliche Einordnung frühzeitig klären
✔ Steuererklärung korrekt und vollständig abgeben
✔ Bei Unsicherheit beraten lassen
Gerade bei Online-Einnahmen ist Vorbeugung deutlich günstiger als Nacharbeit.
11. Wann sich eine steuerliche Beratung besonders lohnt
Eine Beratung ist dringend zu empfehlen, wenn:
regelmäßig Online-Einnahmen erzielt werden
mehrere Plattformen genutzt werden
PayPal oder ähnliche Dienste involviert sind
die Einnahmen wachsen
Unsicherheit über Gewerbe oder Selbstständigkeit besteht
Oft lassen sich mit einer sauberen Struktur Steuern sparen und Risiken vermeiden.
12. Fazit: Nebenverdienst ja – aber bitte richtig
Nebenverdienste und Online-Einnahmen sind heute völlig normal. Steuerlich werden sie jedoch ernster genommen als viele denken.
Unser Fazit: Wer frühzeitig Klarheit schafft, korrekt erklärt und sauber dokumentiert, hat nichts zu befürchten. Wer abwartet oder verdrängt, riskiert unnötige finanzielle und rechtliche Probleme.




