Wie kann ich Steuern sparen durch Auswandern – Strategien für GmbH-Geschäftsführer
- Martin Reiss

- 29. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Die steuerliche Belastung für GmbH-Geschäftsführer in Deutschland ist hoch und komplex. Entsprechend wächst das Interesse an internationalen Gestaltungsmodellen und der Frage: Wie kann ich durch Auswandern Steuern sparen? Diese Überlegung ist legitim – erfordert jedoch eine präzise Planung, fundierte steuerliche Beratung und ein tiefes Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Genau hier setzen wir als REISS Steuerkanzlei an und begleiten Sie strukturiert und rechtssicher durch diesen Prozess.
Warum ist Auswandern aus steuerlicher Sicht überhaupt relevant?
Deutschland besteuert grundsätzlich das Welteinkommen unbeschränkt steuerpflichtiger Personen. Das bedeutet: Solange Ihr Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland liegt, unterliegen Ihre Einkünfte – unabhängig vom Entstehungsort – der deutschen Besteuerung. Eine steuerliche Entlastung kann daher erst entstehen, wenn diese unbeschränkte Steuerpflicht beendet wird. Doch genau hier beginnen die entscheidenden Detailfragen.
Was bedeutet steuerliche Ansässigkeit konkret?
Die steuerliche Ansässigkeit richtet sich nach nationalem Recht sowie nach Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Maßgeblich sind insbesondere folgende Kriterien:
Wohnsitz (z. B. eigene oder dauerhaft verfügbare Immobilie)
gewöhnlicher Aufenthalt (mehr als 183 Tage im Jahr)
Mittelpunkt der Lebensinteressen (Familie, wirtschaftliche Bindungen)
Ein häufiger Fehler: Der bloße Wegzug ins Ausland genügt nicht. Wer weiterhin enge wirtschaftliche oder private Verbindungen nach Deutschland unterhält, kann weiterhin steuerlich als in Deutschland ansässig gelten.
Welche steuerlichen Chancen bietet ein Wegzug?
Ein sorgfältig strukturierter Wegzug kann verschiedene steuerliche Vorteile eröffnen:
Niedrigere Einkommensteuersätze im Ausland: Viele Länder bieten deutlich attraktivere Steuersätze oder Pauschalbesteuerungsmodelle.
Optimierung der Ausschüttungsbesteuerung: Je nach Zielland und DBA kann die Besteuerung von Dividenden erheblich reduziert werden.
Vermeidung der Gewerbesteuer: Bei entsprechender Strukturierung kann die operative Tätigkeit in ein anderes Steuerregime verlagert werden.
Spezielle Steuerregime für Unternehmer: Länder wie Portugal (NHR-Regime), die Vereinigten Arabischen Emirate oder Zypern bieten gezielte Anreize für Unternehmer und Geschäftsführer.

Welche Risiken müssen GmbH-Geschäftsführer beachten?
Die steuerliche Gestaltung durch Auswandern ist kein Selbstläufer. Insbesondere folgende Aspekte sind kritisch:
Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG): Bei wesentlichen Beteiligungen (mind. 1 %) an einer Kapitalgesellschaft kann ein fiktiver Veräußerungsgewinn besteuert werden – auch ohne tatsächlichen Verkauf.
Funktionsverlagerung: Verlagerung von Geschäftsaktivitäten ins Ausland kann zu erheblichen steuerlichen Belastungen führen, wenn keine marktgerechten Verrechnungspreise angesetzt werden.
Betriebsstättenproblematik: Wird die GmbH faktisch weiterhin aus Deutschland gesteuert, kann eine inländische Betriebsstätte entstehen – mit entsprechenden Steuerfolgen.
Missbrauchsvermeidung: Finanzbehörden prüfen intensiv, ob tatsächlich eine wirtschaftliche Verlagerung vorliegt oder lediglich eine steuerliche Gestaltung ohne Substanz.
Wie sollte eine steueroptimierte Auswanderung strukturiert werden?
Ein erfolgreicher Wegzug basiert auf einem klaren, mehrstufigen Konzept:
Analyse der Ausgangssituation: Beteiligungsstruktur, Einkünfte, Vermögen, familiäre Verhältnisse
Auswahl des Ziellandes: Steuerrecht, Lebensqualität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Gestaltung der Wegzugsphase: Vermeidung unnötiger Steuerbelastungen (z. B. durch Timing von Ausschüttungen)
Neuordnung der Unternehmensstruktur: Holding-Strukturen, Sitzverlagerung oder Gründung im Ausland
Nachhaltige Umsetzung: Tatsächliche Verlagerung von Wohnsitz und wirtschaftlicher Tätigkeit
Welche Länder sind für GmbH-Geschäftsführer besonders attraktiv?
Die Attraktivität eines Landes hängt stark von der individuellen Situation ab. Typische Zielstaaten sind:
Länder mit territorialer Besteuerung
Staaten mit günstigen Dividendenregelungen
Jurisdiktionen mit speziellen Unternehmerprogrammen
Wichtig ist jedoch: Steuerliche Vorteile allein reichen nicht aus. Die Gesamtstruktur muss wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich belastbar sein.
Welche Rolle spielt professionelle Beratung?
Die steuerliche Gestaltung im internationalen Kontext ist hochkomplex. Fehler führen schnell zu erheblichen finanziellen Nachteilen oder rechtlichen Risiken. Deshalb gilt: Eine fundierte Planung ist unverzichtbar.
Wir als REISS Steuerkanzlei unterstützen Sie dabei ganzheitlich – von der ersten strategischen Überlegung bis zur konkreten Umsetzung. Unser Fokus liegt darauf, für Sie eine rechtssichere, nachhaltige und steueroptimierte Lösung zu entwickeln, die sowohl Ihre unternehmerischen als auch Ihre privaten Ziele berücksichtigt.
Fazit: Lohnt sich Auswandern zur Steueroptimierung?
Ja – aber nur bei richtiger Planung. Für GmbH-Geschäftsführer kann ein Wegzug erhebliche steuerliche Vorteile bieten. Gleichzeitig sind die rechtlichen Anforderungen hoch und die Risiken nicht zu unterschätzen. Entscheidend ist eine individuelle, präzise abgestimmte Strategie.
Zentrale Fragen, die Sie sich stellen sollten:
Wo liegt künftig mein steuerlicher Lebensmittelpunkt?
Wie wirkt sich der Wegzug auf meine GmbH aus?
Welche Steuerbelastung entsteht kurzfristig und langfristig?
Ist meine Struktur international tragfähig und prüfungssicher?
Wenn Sie diese Fragen strukturiert beantworten und professionell begleiten lassen, kann die Auswanderung ein effektives Instrument zur Steueroptimierung sein – andernfalls wird sie schnell zum Risiko.




